Hachumer Dorfkirche
Hachum war bis 1314 nach Lucklum eingepfarrt. Als der Deutsche Ritterorden 1314
nach Lucklum kam, wurde die Kirche in Evessen Archidiakonats-kirche und Hachum nach
Evessen eingepfarrt.
Im Jahre 1333 erbaute Burchard von der Asseburg eine Filialkirche in Hachum, die
in die Ehre aller heiligen Apostel und sonderlich in die Ehre St. Nikolaus, des heiligen
Beichtigers geweiht und mir je 1 1/2 hufen und Höfen begabt wurde. Deshalb befand sich
früher auf dem Altar eine holzgeschnitzte Figur des heiligen Nikolaus im bischöflichen
Ornat. Die Figur war aber 1750 schon nicht mehr vorhanden.
Als Zweck der Kirchengründung gab der Stifter an, dass viermal im Jahr darin
Gedächtnisgottesdienste (Memorien) für ihn, seine Ehefrau und seine
Eltern gehalten werden sollten.
Fast scheint es jedoch, als hätte vorher schon eine Kirche dort
gestanden, da der Turm romanische Formen zeigt. 2 Hufen, die
Merseburger Lehen der v. Veltheim waren, also zur Erbschaft Bischof
Thietmars von Merseburg gehörten, kamen 1296 an den
Deutschorden in Lucklum und 1464/65 an die Magnikirche in
Braunschweig. 2 andere Hufen 1277 vom Stift Gandersheim an das
Kloster Derneburg. 4 Hufen, die das Kloster Riddagshausen seit
1233 einzeln erworben hatte, waren 1336 an Braunschweiger Bürger
verpfändet. Begütert war in Hachum gegen Ende des 12. Jahrh. auch das
Cyriakusstift vor Braunschweig. 3 Hufen besaßen 1303 die v. Wenden, 5 Hufen 1360 die
Elers, 2 Hufen mit 1 of (als herzogl. Lehen) um 1400 die v. d. Asseburg. Der Zehnte war
seit 1354 zu 1/2 asseburgisches Lehen verschiedener Patrizier-Familien, wurde aber
vermutlich 1605 den Asseburgern von Georg Engelh. v. Löhneysen abgekauft und gehörte
1751 den Erben des Drost v. Ludecken in Sickte. Die andere Hälfte (über 823
Mg.) war veltheimsches Legen erst der Ursleben, dann (noch 1751) der Kalms.
Die Kirche St. Nicolai, meist als Nicolauskapelle bezeichnet, hat ein
einheitliches Schiff mit gradem Schluss und einen nahezu quadratischen Turm
(außen von 5,75 m Breite und 5,10 m Tiefe), der je 65 cm vor dem Schiff
zurücktritt. An der östlichen Ecke der Nordseite Stein mit der Minuskelinschrift
"Anno dni m v iiii" die sich auf eine Erweiterung der Kirche nach Osten bezieht.
Aus dieser Zeit stammt offenbar auch das rundbogige, aber mit gotischem
Naswerk versehene Doppelfenster in der Ostseite und die rundbogige Pforte an
der Südseite des Turms, die als Profil einen kannelierten Rundstab zwischen Kehlen
zeigt. An Fenster und Tür dasselbe Steinmetzzeichen, wie in Gilzum. In der inneren
Ostwand Rundbogennische mit Abflusskanal zwischen Schmiegen. Der mit Satteldach
versehene 'Turm hat im Osten, Norden und Süden je eine romanische
Doppelschallöffnung mit eingerückten Teilungsbogen und einem Pfeiler, der als Kapitäl
und als Sockel je zwei gegeneinander, wie gegen ihre Zwischenleisten abgesetzte Platten
hat; die Schallöffnung im Norden hat rundbogige kleeblattförmige Teilungsbogen und
eine kreisrunde Öffnung dazwischen. Die Inventarisation von 1880 verzeichnet noch im
Turm die Reste einer achtseitigen Teilungssäule mit romanischem Kapitäl und
Eckblattbasis.
Der Altar besaß nach dem Corpus Bonorum die Reliquiengruft
und einen bemalten Schrein, dessen Mitte die 2 Ellen hohe Figur des hl.
Nicolaus einnahm.
Der Taufstein trug die Inschrift: Pfarher Hermannus Linneman
1574 - Alterleute Jahn Bertels, Heinr. Meiner.
Die Glocke von je 60 cm Höhe und Durchmesser, 1657 von
Michael Appe in Wolfenbüttel gegossen, mit Bibelsprüchen, dem
Namen des Pastors Johann Willich und anderen Namen.
Die St. Nikolaus-Kapelle in Hachum ist also ursprünglich nicht zur
Gemeindekirche bestimmt gewesen. Die Einwohner Hachums mussten
weiterhin zum Sonntagsgottesdienst nach Evessen gehen und ihre Kinder auch dort
taufen lassen. Erst der erste evangelisch-lutherische Pfarrer auf der Evesser Pfarrstelle,
Hermann Linnemann, hat die Zahl der Gottesdienste in Hachum auf 12 im Jahr vermehrt
und auch einen Taufstein im Jahre 1574 setzen lassen. Von da ab können wir das
Hachumer Gotteshaus als Gemeindekirche ansprechen. Es hat aber niemals einen
eigenen Pfarrer gehabt und ist stets Filial von Evessen geblieben.
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